Ein M├╝nchener im Himmel

Bild von Pit
05.09.2008 - 18:15

Geschichte von Ludwig Thoma

Alois Hingerl - Dienstmann Nr. 172 am M├╝nchner Hauptbahnhof - erledigte einen Auftrag mit solcher Hast, da├č er vom Schlag getroffen zu Boden sank und starb.

Zwei Engerln schleppten ihn mit vieler M├╝he in den Himmel, wo er vom Hl. Petrus empfangen wurde. Petrus er├Âffnete ihm zuerst, da├č er von nun an auf den Namen "Engel Aloisius" zu h├Âren habe, ├╝berreichte ihm eine Harfe und machte ihn mit der himmlischen Hausordnung bekannt: "...von morgens 8 Uhr bis mittags 12 Uhr: frohlocken; von mittags 12 Uhr bis abends 8 Uhr: Hosianna singen."

"Wos is?"

"Von morgens 8 Uhr bis abends 12 Uhr frohlocken - von mittags 12 Uhr bis 8 Uhr abends Hosianna singen!"

"So - hmhm - ja, wann kriag na i wos z'trinka?"

"Sie werden Ihr Manna schon bekommen", sagte Petrus leicht indigniert und lie├č ihn stehen.

"Auweh! Des werd sche fad - mei Liaba, da moan i ollawei, da bin i neitret'n! Frohlocken?! A-a-a-a - eahm schaug o: frohlock'n m├╝a├čat i da herobn ... i hab gmoant, i kumm in Himmi...?!"

Und w├Ąhrend er noch so vor sich hinbrummelte, sah er pl├Âtzlich einen roten Radlerengel an sich vor├╝berziehen und sofort erwachte in ihm die alte Wut auf die vermeintliche Erdenkonkurrenz und er schrie den roten Radlerengel an: "Jo, seids Ihr jetzt au do herobn, 's Hundsbuabn, 's miserabligen?! Mai Liaba, la├č di do blo├č net bei mir blicke, gell? Sonst fangst ├Ą paar!" Und f├╝r alle F├Ąlle versetzte er ihm ein paar kr├Ąftige Hiebe mit dem erarischen Himmelsinstrument. Daraufhin war ihm bedeutend wohler, er setzte sich, wie ihm befohlen, auf eine Wolke und begann zu frohlocken: "Halleluja - - - Hahleluja - - - Hahleluja - - - Hahleeeee-luja ..."

Ein v├Âllig vergeistigter Engel schwebte an ihm vor├╝ber.

"Hallo, Sie! Hallo - fft - hallo - ham's koan Schmaizla? An Schnupftabak - ham's nix? A Pris? - geh weida, fahr oane her!"

Der Durchgeistigte sah ihn nur v├Âllig entgeistert an, lispelte nur "Hosianna!" und flog von hinnen.

"Ja - ja, was is jetzt des f├╝r a Depp f├╝r a damischer? Ja - na, na, na hast halt koan Schmaizla net - wenn ma scho anst├Ąndig fragt, werd ma doch a anst├Ąndige Antwort kriag'n kenna, - gscherte Ruab'n, gscherte, - Eng'l ... boaniger!!! Mei Liaber, da werd a so a Zeigl Herob'n sei! A-a-a-a-a, was steh i aus!"

Und er setzte sich wieder auf seine Wolke und begann erneut zu frohlocken; diesmal allerdings bedeutend zorniger! "Hahleluja - Luhja - Luhja sag i - z├Ąfix Hahleluja - Luhja!!!"

Er schrie so laut, da├č der liebe Gott nebenan von seinem Mittagsschlaf erwachte... und ganz erstaunt fragte: "Ja, was ist denn da f├╝r ein L├╝mmel heroben?"

Und er schickte sofort zu Petrus - der kam angerast - und sie h├Ârten zusammen den Engel Aloisius frohlocken: "Luhja! - Sacklzementhahleluja - luhja, sag i - Mei Liaber: Luhja!!!"

Petrus raste los und schleppte den Aloisius vor den lieben Gott.

Der sah ihn sich lange an - darauf sprach er: "Aha - ein M├╝nchner! Ja sagen Sie mal, warum pl├Ąrr'n Sie denn da heroben so unanst├Ąndig?"

Da kam er beim Aloisius aber grad an den Richtigen!

Der war mitten drin in der Wut und legte nun los: "Ja, - ja was glaub'n denn Sie! Weil mir da herob'n im Himmel san, da m├╝a├čat i singa wia a Zeiserl, was? Waas? Z'trinka kriagat i ├╝berhaupts nix - mei Liaber: a Manna hat er g'sagt, a Manna kriagat i! Mei Liaber, da wennst ma net gehst mit Dei'm Manna, gell, den kennts selber saufa, des sag i Eich, aber i trink koan Manna, da├č Di auskennst! Und singa tua i ├╝berhaupts net, i hab no nia g'sunga, da sing i erst recht net..."

"Petrus", sagte der liebe Gott, "mit dem k├Ânnen wir hier nichts anfangen. Nun, f├╝r den habe ich eine andere Aufgabe - er soll meine g├Âttlichen Ratschl├Ąge der Bayerischen Regierung ├╝berbringen. Auf diese Weise kommt er jede Woche ein- oder zweimal nach M├╝nchen - dann hat die liebe Seele ihre Ruhe..."

Als Aloisius das h├Ârte, war er sichtlich froh. Er bekam auch gleich den ersten Auftrag - einen Brief - und flog damit los.

Und als er pl├Âtzlich M├╝nchner Boden unter den F├╝├čen f├╝hlte, da war es ihm, als sei er im Himmel.

Und einer alten Gewohnheit gem├Ą├č f├╝hrte ihn der Weg hin zum Hofbr├Ąuhaus,
und er fand seinen Stammplatz wieder,
fand den Stammplatz leer,
die Kellnerin, die Kathi, kam auf ihn zu...
und er bestellte sich eine Ma├č,
und bestellte sich noch a Ma├č,
und er verga├č seinen Brief und seinen Auftrag,
und b'stellt sich no a Ma├č,
und no a Ma├č und no oane...
und da sitzt er heit no.

Und so wartet die Bayerische Regierung bis heute vergeblich auf die g├Âttlichen Eingebungen.






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